katharinakraemer
  Homoerotische Leckerbissen
 
 




Zu meiner Sammlung kurzer Geschichten gehören auch eine Reihe homoerotischer Geschichten. Sie stellen keine pornografische Szenerie dar, den Leser erwartet Erotik: sinnlich knisternde Hingabe wie ein Kaminfeuer, leidenschaftlich wie ein klassisches Orchesterwerk, zurückhaltend verborgen durch einen duftigen Schleier. Dem Leser sei seine eigene Phantasie die Melodie




Die Puppenspielerin


Ich saß gespannt an meinem Schreibtisch und starrte Löcher in die Luft. Eigentlich brauchte ich meine ganze Konzentration, doch meine Gedanken zogen ihre eigenen, willkürlichen Kreise. Lustlos betrachtete ich die wenigen Zeilen, die ich bislang zustandegebracht hatte; zufrieden konnte ich damit wahrlich nicht sein! Seit Tagen schon ging es mir so. Kaum formulierte ich eine Idee, verwarf ich sie kurz darauf wieder. Glaubte ich, daß es nun gut sei, fiel mir gleich wieder etwas ein, das mir passender schien. Vielleicht sollte ich für heute aufhören? So hatte das doch keinen Sinn! Ich fühlte mich allein und von der Welt verlassen, in diesem Fall der Visionen und Phantasiebilder, die meiner kreativen Arbeit Nahrung gaben. Aber wie sollte ich eine Handlung erfinden, wenn mir die Inspiration fehlte? Wie Bilder entwerfen, wenn mein Hirn dazu außerstande schien!

Ich legte den Stift beiseite und steckte mir eine Zigarette an. Vielleicht würde sie mir von Nutzen sein! Die grauen Rauchwolken glichen dem Nebel, der sich in meinem Kopf breitgemacht hatte. Nicht einmal die leise im Hintergrund spielende Musik, hervorragend interpretierte Klavierwerke alter Meister, beflügelte mich. Sonst waren gerade sie mir Inspiration und Leidenschaft. Was gäbe ich jetzt dafür, die nötige Ruhe zum Schreiben zu finden! Was brauchte ich denn? Ja, ich brauchte eine Muse, einen ruhenden Pol, an dem sich meine Gedanken sammeln konnten. Die Zigarette war längst verqualmt; ich hatte sie ausgehen lassen. Nicht einmal dazu war ich imstande! Vielleicht sollte ich doch für heute aufhören? Morgen würde ich vielleicht besser arbeiten können.

Resigniert nahm ich den Stift wieder zur Hand und spähte hinaus in das Dunkel der Nacht. Kaum etwas war zu sehen, nur hier und da blitzte ein Licht zu mir. Von den Sternen sah mir heute auch keiner zu; sie waren hinter dichten Wolken versteckt wie auch meine sonst so rege Kreativität. Und bis auf das wohlklingende Klavier war tiefe Stille um mich. Ich zündete mir noch eine Zigarette an und inhalierte tief, als wollte ich die mich ausfüllende Leere damit vertreiben. Vielleicht war es das ja! Ich war nicht frei genug, nicht recht bei der Sache. Mir fehlte der entscheidende Kick, die Erleuchtung. Mir fehlte die Wärme, die ich beschreiben wollte, ein konkretes Ereignis, der Funke, der eine Geschichte ins Rollen brachte. Was aber konnte ich tun, damit die Bilder laufen lernten? Ich zerriß das halb beschriebene Blatt Papier und legte ein jungfräulich weißes vor mich hin. Dann schloß ich für einen Moment die Augen und versuchte zu vergessen, wo ich war. In meinem Kopf herrschte noch immer ein heilloses Durcheinander, aber mit jedem Augenblick lichtete sich der Nebel und vor mir erstand ein feinsinniges Ambiente, das mich gefangenhielt. Fast unwirklich schien mir, was ich sah, und beinahe voyeuristisch betrachte ich das Schauspiel, dessen Handlung ich selbst erfand.

Alles war in sanfte Farben getaucht und die Musik, die mich eben noch irritiert hatte, fügte sich harmonisch in das Bild, das kein Maler je schöner hätte entwerfen können. Der gelbliche Schein unzähliger Kerzen offenbarte den Blick auf zwei Frauen, die stumm beieinander lagen, nur unzureichend verborgen von einem duftigen Schleier, der das Bett umhüllte, und einem weißen Laken, das mehr entblößte als verschwieg. Sie bewegten sich nicht, berührten einander kaum und verharrten Statuen gleich in ihrer Pose. Kein Lufthauch bewegte den Schleier oder die kleinen Flammen, die überall im Raum verteilt waren. Alles schien auf ein Zeichen zu warten, wirkte wie das Standbild eines Videos. Wenn ich durch die Szene gelaufen wäre, nichts hätte sich verändert. Und während ich gebannt das Bild betrachtete, schien alles ungeduldig auf etwas zu warten.

In diesem Moment fand mich an meinem Schreibtisch sitzend wieder. Warum nur hatten sie sich nicht gerührt? Warum war das ganze Bild so leblos geblieben? War mir nur so, oder warteten sie tatsächlich auf etwas? Wenn ja, auf was? Da erkannte ich plötzlich meine eigene Verantwortung! Ich war es doch, die dieses Bild inszenierte, also war ich es auch, die ihm Leben einhauchen konnte! Nur ich konnte die Handlung fortschreiben und aus dieser einen Aufnahme einen ganzen Film machen. Es war schließlich meine Fiktion; wahrhaft lebendig würde alles erst durch mich. Erst durch mich würden diese nackten, leblosen Körper eine Seele erhalten. Erst durch mich würde aus dieser starren Szene ein atmendes, lebendiges Wesen. Ich ließ den Schauplatz wieder vor meinem geistigen Auge erstehen. Alles war so wie zuvor.

Die beiden Frauen lagen immer noch stumm und regungslos beieinander. Auch die Flammen der Kerzen standen still. Gerade aber diese scheinbare Leblosigkeit berührte mich und forderte mich heraus, ihr Atem einzuhauchen. Gerade da blies ich den Rauch meiner Zigarette in die Nacht, und im gleichen Moment flackerten die ersten Lichter auf, als habe sie ein Windhauch erfaßt. Der Schleier wehte fast unmerklich hin und her, und von irgendwo drangen mystische Klänge heran. Da vernahm ich das gedämpfte Knistern eines offenen Kamins, dessen rötlich aufflammender Schein dem Geschehen etwas märchenhaftes gab. Hatten die beiden eben noch teilnahmslos dagelegen, erwachte nun die erste aus ihrer Erstarrung. Ganz sacht berührte sie die andere und strich mit ihren Händen über deren Körper hinweg, als suchte sie etwas, und mit unendlicher Geduld zog sie zärtliche Bahnen über den Busen, den Bauch und die Schenkel der anderen.

Mit jedem Augenblick stieg die Spannung und ich starrte ebenso entflammt auf das Bild, das immer lebendiger wurde. Ich fühlte mich ihnen so sehr verbunden, daß ich meinte, nachempfinden zu können, was in ihnen vorging. Wie gern hätte ich einen Part übernommen und mich selbst leibhaftig in diese Szene eingebracht! Wie gern hätte ich wahrlich Anteil gehabt! Doch mir war nur die Rolle des Voyeurs und des Chronisten zugedacht. So begnügte ich mich notgedrungen damit, ihnen zuzuschauen.

Der Vorhang wurde wie von Geisterhand beiseite geschoben und enthüllte den Blick auf die beiden Frauen. Von unsichtbaren Marionettenfäden geführt regten sie sich, und je tiefer ich in die Szene eintauchte, desto lebendiger, greifbarer wurde der Akt. Bald schon wanden sie sich lustvoll, umarmten einander und ihre Hände flohen über die Körper. Sie waren so vertieft in ihr Liebesspiel, daß sie nichts um sich mehr wahrnahmen. Nicht die leidenschaftlich aufflammenden Kerzen und nicht das anschwellende Knistern des Kaminfeuers oder die jetzt tosenden Klänge, die die Luft in Schwingung versetzten. Unbeeindruckt von allem sie Umgebenden liebten sie einander mit einer kraftvollen Intensität und nachhaltigen Tiefe und mit so unendlich viel Gefühl, daß ich mich nicht zu rühren traute, aus Angst, ihren Liebesakt zu stören. Wie lang sie sich liebten! Ohne Unterlaß, emphatisch und mit einer mir unbekannten Sinnlichkeit.

Wie ein Einbrecher kam ich mir vor, weil ich den Blick nicht abwenden konnte. Ich wollte teilhaben an ihrer Begierde und die Spannung in mich aufnehmen, die ich ihnen Kraft meiner Gedanken schenkte. Ich fühlte mich wie eine Puppenspielerin, die die Fäden in der Hand hielt und ihren hölzernen Leibern eine Seele gab. Doch bald schon bemerkte ich, daß ich statt ihrer die Rolle der Marionette übernommen hatte. Sie machten mit mir, was sie wollten, und gewährten mir einen zaghaften Einblick in ihre Vereinigung, versagten mir aber die Offenbarung dessen, was sich wirklich zwischen ihnen ereignete. Nur annähernd konnte ich die Tiefe des Gefühls und die Glut ihrer Leidenschaft erahnen. Zwar hielt ich immer noch die Puppenfäden in der Hand, aber sie wurden mir zu den eigenen Fesseln. Und je näher das Finale rückte und je spürbarer ihre Ekstase wurde, desto enger zogen sich die Fäden, bis sie mir ins Fleisch schnitten. Ihre Lust traf mich wie Messerstiche! War das die Rache dafür, daß ich in ihr Reich eingedrungen war und sie belauscht hatte! Einesteils hatten sie mich in ihre Sinnlichkeit eingeweiht, andererseits blieb mir die erotische Spannung vorent-halten, die sich plötzlich in einem hinreißenden Finale entlud.

Während die letzten Wogen der Leidenschaft verklangen, starrte ich noch auf die beiden Frauen, die nun eng umschlungen ihre Nähe auskosteten. Die letzten Lichter verloschen, das Kaminfeuer erstarb und nächtliche Stille verdunkelte den Raum. Bald darauf verlor sich diese Vision in der Unendlichkeit, und meine Gedanken kehrten zurück an den Schreibtisch. Noch völlig gefangen von den Bildern meiner Phantasie begann ich zu schreiben, und mit jedem Wort, das seinen Weg auf das Papier fand, beruhigten sich meine aufgewühlten Sinne. Nur wenig später lagen vor mir ein paar fein säuberlich gestapelte, eng beschriebene Blätter, die sich trotz der erotischen Empfindungen, die mich gestreift hatten, ihre eigene Jungfräulichkeit bewahrten.

 

Das Fenster

Kaum hörbar trommelte der Regen an die Fensterscheibe. Unzählige Wassertropfen hinterließen feine Spuren, in denen sich ein rätselhaftes, warmes Licht brach, das der Nacht die Finsternis nahm. Nur wenig wäre für einen zufällig Vorbeikommenden sichtbar, der einen flüchtigen Blick riskiert hätte. Er sollte sich zwar ohne Frage diskret abwenden und unbemerkt wieder entfernen; aber wenn er doch einen Moment vor dem Haus stehenblieb, hätte er nicht annähernd das eigenwillige, beruhigende und zugleich aufwühlende Kolorit erahnen können, das sich seinen Augen offenbarte. Weder jenes feine Knistern, noch die Eintracht und Harmonie, die den Raum erfüllte, dessen Mittelpunkt feinste lesbische Erotik war.

Inmitten Dutzender Kissen hielten sich zwei Frauen vor dem Sofa ausgestreckt bei den Händen, während sie schweigend sanfter klassischer Musik lauschten, deren Schwingungen die Luft vibrieren ließ. Im Licht unzähliger Kerzen und zuweilen hellrot loderndem, leise knisterndem Kaminfeuer schimmerten ihre Körper bronzen. Schon eine ganze Weile lagen sie reglos nebeneinander. Getragen von zarten Violinen, die ein euphonisches Piano begleiteten, waren sie weit fort in ihrer Phantasie, die jede für sich erlebte, und doch auch empfänglich für die körperliche Nähe und die kaum wahrnehmbare Ungeduld, die mit jedem Augenblick stärker von ihnen Besitz ergriff. Und unvermittelt lösten sie sich voneinander und liebkosten sich so unendlich sanft, die Haut der anderen fast nur streifend wie ein lauer Frühlingswind. Nichts brachte sie aus der Ruhe, ihre Bewegungen folgten der Musik, ohne Eile, ohne Ziel und doch bewußt darauf aus wohlzutun. Ihre synchronen Bewegungen ließen ihre Herzen gleich einem einzigen schlagen, und leise Strömungen pulsierender Erregtheit trugen sie wie auf Adlerschwingen fort und sie flohen der räumlichen Enge in unendliche Weiten. Beide genossen das entspannende Spiel mit den Händen, den gefühlvollen Eros, der aus ihnen sprach. Und mit jedem Augenblick breitete sich jene so vertraute sinnliche Spannung aus, die nie gekannte Empfindungen freisetzte. Während jede behutsam die Haut der anderen liebkoste, spürten sie dieses feine Kribbeln, das sich wie ein Lauffeuer bis in ihr Innerstes ausbreitete. Der Wunsch, einander so nahe wie möglich zu sein, entrückte sie der Gegenwart. Für sie war nichts mehr wichtig, nicht der jetzt nachlassende Regen oder die nächtliche Stille draußen. Nichts als sie selbst und ihre Zärtlichkeit war von Bedeutung. Diese Augenblicke inniger Vertrautheit, die plötzliche Wollust, hervorgerufen aus dem Nichts, ließen die Spannung in ungeahnte Höhen steigen. Fern aller Wirklichkeit und unzugänglich für alles sie Umgebende weckten sie ein Inferno der Gefühle und Feuer der Leidenschaft, das sie bereitmachte für die intimsten Wünsche der anderen. Alles in ihnen, ihre Gefühle und Gedanken, verschmolz zu einer Symphonie der Hingabe, die getragen von sich wiegenden Violinen der Vollendung entgegenstrebte. Als würden Takt für Takt neue Instrumente der Melodie hinzugefügt, um schließlich ein großes Orchester zu bilden, potenzierten sich ihre Empfindungen zu nie gekannter Ekstase. Pauken, Trompeten und Hörner belebten ihre Gefühle und Violinen streichelten ihre Haut, und ihre Zungen tanzten einen eigenen Reigen, während ihre Hände Empfindungen zurückließen, die das gemeinsame Erleben mehrten. Einander alle Zärtlichkeit schenkend, zu der sie fähig waren, strebten sie der Venus entgegen, die sich bereitwillig öffnete, feucht und warm, begierig darauf zu empfangen. Sanft kreisende Finger entflammten die Vulva und die zartrosa Lippchen, die darauf mit steigender Erregung antworten. Sie streichelten die Pforte der Lust und spielten mit dem schwellenden Cunnus und der Vagina, in deren Tiefen ihre Finger versanken. Als wollten sie beides in sich aufnehmen, drängten und rieben sie ihre Körper aneinander. Nunmehr schwoll die Musik an und ihre Schwingungen fügten sich in den Rhythmus, dessen Intensität und Tiefe ihnen neu war. Wie Blitze, die sich in immer heftigeren Wellen in ihnen ausbreiteten, durchfuhr es sie. Jede für sich erlebte ihr eigenes loderndes Inferno, ein wahres Feuerwerk der Emotionen, das sich von der Vagina durch den Körper und von der pulsierenden Vulva aus über die Haut entfaltete! Eins mit sich und den berauschten Gefühlen hatten sie doch ebenso Anteil am Erleben der anderen. Im lautstarken Finale der aufbrausenden Symphonie entluden sich ihre leidenschaftlichen Empfindungen.

Sie lösten sich gleichzeitig voneinander und schlossen sich schwer atmend in die Arme. Weltvergessen für eine halbe Ewigkeit war alles um sie herum. Und noch länger dauerte es, ehe die letzten Wogen der Ekstase verebbten und der letzte Paukenschlag, die letzte Fanfare von zart ausklingenden Violinen abgelöst, sie wieder sanft und weich in die Gegenwart zurückführte. Längst schon hatte die Musik aufgehört und die Kerzen waren bis auf einen kärglichen Rest heruntergebrannt, als die eintretende Stille wohliger Erschöpfung Platz machte. Bald war nichts mehr zu hören als der entspannte Atem zweier Frauen. Die Nacht hatte längst den Zenit überschritten und es nieselte nur noch sacht, als irgendwo da draußen noch jemand nach seinem Hund rief.



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